I.
I. Kandidat Fröhlich erlebte heute eine unangenehme Ueberraschung, die ihm gleich um zehn Uhr zu teil wurde, als er pünktlich wie immer im Hause Roderich erschienen war, um den täglichen Unterricht bei seinem elfjährigen Zögling mit erneuertem Feuer zu beginnen. »Fräulein« war plötzlich krank geworden und lag im Bette, und so hatte er das Vergnügen, den Beruf eines Kindergärtners zu erfüllen, der ihm von der Gnädigen mit einer so süßlichen Bitte aufgetragen worden war, daß er nicht hatte widerstehen können. Er war auch gar nicht zum Nachdenken gekommen über die Berechtigung zu dieser von ihm verlangten neuen Probe seiner Begabung, denn die beiden kleinsten Roderichs hatten ihn gleich derartig als Gegenstand ihrer phantasievollen Neigungen in Anspruch genommen, daß er sich mit seinem glücklichen Humor, dem einzigen Erbteil seines Vaters, sofort in diesen Ausnahmefall gefunden hatte. An den Fenstern strich ein lauer Mairegen hernieder und tropfte schwerfällig auf das hängende Grün der Edelbirke, das wie durchsichtiges helles Glas unter den verirrten Sonnenstrahlen glänzte. Hinten war der Garten in einen nassen Dunst gehüllt, in den der Himmel allmählich erst sein Lächeln warf. Diesem Regentage hatte Kandidat Fröhlich es zu verdanken, daß seine geteilte Aufmerksamkeit zwischen Schulzimmer und Spielstube von einem erfreulichen Erfolge begleitet war. Er pendelte zwischen beiden hin