Die Familie Lugmüller
Vom azurnen Firmament scheidet die Lenzessonne und vergoldet die Zinnen der kleinen Stadt Neubaumbach, deren ebene Dächer einen italienischen Eindruck hervorrufen, wiewohl das Städtchen wie seine Bewohner gut deutsch sind und kaum Einer der wälschen Sprache auch nur annähernd mächtig ist. Brave Leute, fromm und arbeitssam, nur etwas schwatzhaft und stets interessirt für Neuigkeiten. Bis auf das Privathäßle gegen die Bevölkerung des benachbarten Wallfahrtortes, das im Neid ob der gewaltigen Frequenz, des großen Fremdenzuzuges, von dem das Städtchen so gut wie gar nichts profitirt, und der den Städtern vor der Nase vorübergeht, wurzelt, könnte man die Neubaumbacher Bevölkerung musterhafte Leute nennen. Die Altbaumbacher verlachen diesen Haß und Neid, und klimpern mit den harten Thalern im Sacke; sie haben den Nutzen und können daher leicht lachen, wenn auch Altbaumbach nur ein Markt und keine Stadt ist. Von der Stadtwürde beißen die Neubaumbacher nicht viel herunter und ebensowenig von den Wallfahrern, die betend durch das Städtchen ziehen und die Groschen erst in Altbaumbach springen lassen. Fehlen die Wallfahrer auf der Straße, dann herrscht eine wundersame Stille im Städtchen, zumal in alten Zeiten ein fürsichtiger Landesherr durch ein Dekret alle lärmenden Gewerbe vor die zwei Stadtthore schickte, Schmiede, Schlosser u. daher außerhalb der engeren Stadt ansässig sind. Einer