Chapter

1. Kapitel

Es gab auch heute nur ein einziges gutes Hotel in der Industriestadt, trotzdem sie jetzt zu den bedeutendsten ganz Westdeutschlands gehörte, wo die Reichsbankstelle im letzten Jahr einen Umsatz von fast zwei Milliarden Mark hatte. Dies eine gute Hotel stammte noch aus der alten Zeit, da die Menschen, wenn sie nur ihr gutes Essen und Trinken bekamen, recht anspruchslos waren und an Bequemlichkeit und Geräumigkeit der Zimmer keine hohen Anforderungen stellten. In diesem Hotel hatte Frau von Beetzow, die Gattin des neuen Regimentskommandeurs, mit ihrer jüngeren Schwester, dem Freifräulein von Karst, Quartier genommen, bis der etwas umständliche Umzug von Potsdam hierher sein Ende gefunden hätte. Oberst von Beetzow hatte zwar seine Damen darauf vorbereitet, daß sie ihre Ansprüche für die Zeit ihres Aufenthaltes im Hotel etwas zurückschrauben müßten, aber so eng und düster und wenig komfortabel hatten sie es sich doch nicht vorgestellt. Dabei bewohnten sie die beiden besten Räume des Hotels, die sogar einen gemeinsamen Balkon nach der Straße zu besaßen. »Bist Du schon wach, Lotte?« rief Frau von Beetzow aus ihrem Zimmer. »Meinst Du vielleicht, ich könnte noch schlafen bei dem fürchterlichen Spektakel, den die Tram da draußen macht?« lautete die Gegenfrage. Dann war es wieder für eine Weile still in den beiden Zimmern. »Wie spät ist es eigentlich?« fragte Lotte und gähnte. »Neun

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