Erinnerungen an A. A. Iwanow
An einem wundervollen Oktobertag des Jahres 1857 rollte eine alte Mietkalesche, deren Fenster klirrten, die Chaussee entlang, die von Rom nach Albano führt. Aus dem Bock thronte ein mürrischer »vetturino« mit gewaltigem Backenbart, allem Anschein nach ein ausgemachter Feigling und Wollüstling; in dem Wagen saßen drei russische »forestieri«: der verstorbene Maler Iwanow, W. P. Botkin und ich. Übrigens paßte die Bezeichnung »forestieri« nur auf Botkin und auf mich. Iwanow, oder wie man ihn, angefangen von der Osteria Falcone bis zum Café Greco, zu nennen pflegte: il Signor Alexandro, war sowohl in der Kleidung als auch in seinen Gewohnheiten längst ein waschechter Römer geworden. Es war ein prachtvoller Tag, ein Tag, wie man ihn weder malen noch beschreiben kann; bekanntlich hat es kein Landschaftsmaler nach Claude Lorrain fertiggebracht, mit der römischen Natur fertig zu werden; auch die Schriftsteller haben ihre Unzulänglichkeit erwiesen (man braucht ja nur an Gogols »Rom« und an anderes mehr zu denken). Damit will ich nur sagen, die Luft war durchsichtig und weich, die Sonne schien strahlend, aber ohne zu brennen, ein leichter Windhauch kam durch die offenen Wagenfenster und umkoste unsere nicht mehr jugendlichen Physiognomien — so fuhren wir denn, umgeben von einem feiertäglichen, herbstlichen Glanze und mit einem feiertäglichen, vielleicht auch herbstlichen Gefühl im Herzen