Die Möwen
Es war im Frühling. Eine alte Fischmöwenmamsell, Frau Gall genannt, hatte sämtliche Möwenfrauen der Stadt Genf und ihrer Umgebung auf den Nitonklippen vor den Anlagen am See zusammengerufen, um sich mit ihnen über häusliche Angelegenheiten des herannahenden Sommers zu beraten. Im Möwenreiche war es nämlich im Lauf der letzten Jahre zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, man wußte nicht recht warum. Die Möwenfrauen – man sagt in diesen Kreisen niemals Weibchen – hatten wegen wiederholter Vernachlässigungen von seiten der Möwenherren als Väter und Ehemänner Klage geführt, da besagte Herren es für passend gehalten hatten, höchst ungeniert auf und davon zu gehen, sobald die Frauen vom Wochenbett genesen waren. »Das ist entsetzlich!« kreischte Frau Gall. »Ganz gegen die gesunde Vernunft«, entgegnete eine alte Dame, die Mutter von sechsunddreißig Kindern. »Einfach gegen die Natur!« versicherte eine dritte. »Ja allerdings, gegen die Natur!« fiel die alte Mamsell wieder ein, die meinte, es sei gegen ihre Natur, Junge zu bekommen. »Gerade hierüber wollte ich mir euch sprechen. Warum sollt ihr jährlich viermal Drillinge zur Welt bringen, dann drei Wochen lang brüten, sie während vier atzen und sie den ganzen Winter mit euch herumschleppen, um sie fischen zu lehren? Haben wir nicht genug Möwen? Und seht doch nur diese sogenannten Herren der Schöpfung! Während der Flitterwochen girren sie