Der Drache
Am Vorabend des Tages, an dem die hier folgende Geschichte geschah (wir wohnten in Kyoto im Sawabun-Hotel – das Herz geht mir heute noch auf beim Klange Sawabun, welcher Gasthofsname für mich alles echt japanisch Freundliche und Liebe in sich schließt), war auch mir die Ehre eines offiziellen Preßbesuches zuteil geworden. Meinen Reisegenossen kannten die Zeitungsleser schon des längeren genau – meine Wenigkeit dagegen sollte erst jetzt den Glorienschein empfangen. Eine mächtige Visitenkarte, mit vielen schönen chinesischen Zeichen bedruckt, verkündigte die Ankunft des Zeitungsmannes, der sich gleich nach seinem Eintritt ins Zimmer, der japanischen Sitte gemäß, in einer Unmenge von Entschuldigungen, wegen des schlechten Empfanges in Japan, was natürlich rein imaginär war, erschöpfte – dann sich nach meinem Vaterlande erkundigte und endlich, nachdem er unter einem Schwall von Dankesbeteuerungen eine russische Zigarette, die ich noch von Wladiwostok mitgebracht, wahrscheinlich mit vielem patriotischen Widerwillen (es war kurz nach dem Kriege) in Brand gesteckt hatte, sich noch nicht empfohlen hätte, wenn nicht ein Diener des uns befreundeten Kunsthändlers Ichida mit einer Einladung nach dessen Landhausgarten zur Besichtigung des Mondscheins zu Hilfe gekommen wäre. Immerhin konnte ich am nächsten Morgen in der Zeitung lesen: ». . . er stammt aus Suitsuru, dem Lande der ewigen