Chapter

I.

Das litauische Grenzdorf Naujokat-Peter-Purwins besteht von alters her aus zwei großen und vier kleineren Höfen, die Eigenkaten nicht gerechnet, die auf abgezweigtem Weidelande erbaut sind. Seit unvordenklichen Zeiten saß auf dem hintersten von den beiden großen Höfen die Familie Naujoks, auf dem vorderen die Familie Purwins, und von ihnen hatte unzweifelhaft das Dorf den Namen angenommen. Der Zusatz »Peter« war einmal zur Unterscheidung eingeschoben, als auch einer der kleineren Höfe durch Kauf oder Heirat in den Besitz eines Naujoks oder Purwins gekommen war. Übrigens bestand, soweit sich die ältesten Leute erinnern konnten, Feindschaft zwischen den Besitzern der beiden großen Höfe, die gar keinen andern Grund hatte, als daß jede der beiden Familien wegen ihres Besitzes als die erste und angesehenste betrachtet werden wollte. Kam es auch selten zu offenem Streit, so fehlte doch nie die Gelegenheit zu eifersüchtigem Übelwollen, und hielt man sich in Worten zurück, so gönnte man einander doch nichts Gutes. Jetzt war Eigentümerin jenes Hofes die Urte Naujokene, Witwe des vor etwa zwei Jahren verstorbenen Wirts Martin Naujoks, eine Frau in den Vierzigern. Sie hatte keine Kinder, und die Kinder ihres Mannes aus dessen erster Ehe waren sämtlich abgefunden und auswärts angesessen oder im Dienst. War auch infolgedessen das Grundstück nicht schuldenfrei, so galt die Naujokene doch für

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