Ein Garten Der Sich Zurueckmacht
Tante Hester hatte einen Garten, der rückwärts wuchs.
Esme bemerkte es am ersten Morgen ihres Sommerbesuchs. Die Rosen waren groß und voll und rot. Am Nachmittag waren sie kleiner. Am nächsten Morgen waren sie wieder Knospen. Am Morgen danach waren sie nur noch Stiele.
„Tante Hester", sagte Esme, „deine Rosen."
„Ja", sagte Tante Hester und jätete geduldig.
„Sie gehen... rückwärts."
„Ja."
„Warum?"
Tante Hester setzte sich auf ihre grün gestrichene Bank. Sie hatte ein Glas kaltes Wasser mit Minze.
„Manche Gärten wachsen vorwärts. Sie geben dir Tomaten, Bohnen und Kartoffeln. Du isst sie. Sie sind weg.
Manche Gärten wachsen rückwärts. Sie geben dir Blumen, ganz bis zur Saat, und dann packt sich die Saat zurück in die Erde. Du behältst nichts. Aber du sieht es.
Mein Garten ist die zweite Sorte."
Esme dachte darüber nach.
„Das wirkt wie eine Verschwendung."
„Vielleicht. Oder vielleicht das Gegenteil von Verschwendung. Ich denke viel darüber nach. Ich entscheide mich noch."
Den ganzen Sommer schaute Esme zu. Sie sah, wie die Äpfel im Obstgarten von vollen roten Äpfeln zurück zu kleinen grünen Knoten wurden, und dann zu Blüten, und dann zu nichts. Sie sah, wie die Sonnenblumen aufragten und dann schrumpften, ganz nach unten, bis sie gelbe Samen in einer Blechdose auf der Veranda waren.
Sie war manchmal traurig. Sie fühlte auch ein seltsames Glück — weil sie die Äpfel