Chapter

Erstes Kapitel

»Valär, da ist etwas für Sie«, sagte der Rechtsanwalt Heß, »zweite Seite, ungefähr Mitte. Ich mache einen roten Balken daran.« - Seine leise Stimme war noch leiser als sonst. Er schob das Zeitungsblatt, auf das sich seine Bemerkung bezogen hatte, geräuschlos in die Mitte des Tisches, an dem sie beisammen saßen, wartete aber eine Antwort nicht ab, sondern stand auf, zog die Weste herunter und ging weg, um im Hintergrund des Lokals jemand zu begrüßen. Valär, der soeben gekommen war, ließ sich im Studium der Speisekarte nicht stören. Ohne aufzublicken, schob er die linke Hand suchend über den Tisch, und erst als in der Umgebung helles Frauenlachen erklang, hob er den Kopf und starrte eine Sekunde lang wie geblendet ins Leere. Dann zog er die dargebotene Zeitung zu sich heran und beförderte sie unter den Tisch. Dort klemmte er sie zwischen die Schenkel. Valär war der einzige Uniformierte in diesem berühmten Wein- und Speiselokal einer Deutschschweizer Stadt, das von dem Tessiner Simondo bewirtschaftet wurde. Am Kragen seines Rockes waren die Rangabzeichen eines Oberstleutnants zu sehen, und an den Hosen liefen die schwarzen Generalstabsstreifen hinab. Hohe Reiterstiefel nahmen sie auf. Vor knapp zwei Stunden war er aus den Herbstmanövern zurückgekehrt, die er als stellvertretender Kommandant eines Infanterieregiments mitgemacht hatte, und nun saß er hier, ein schmaler,

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