Eine Häuerfamilie
Wer jene kalte sumpfige Hochebene jenseits der Grenze nicht gesehen, die Jahr aus Jahr ein nur selten einmal der Strahl der Sonne begrüßt, wer nie zur Winterzeit dort gewesen, wann die Stürme durch die schneebeladenen Tannen heulen, das ausgehungerte Wildpret nach Aesung umherirrt und weit, weithin die Natur allein die Farbe und Oede des Todes darbietet der kennt das erzgebirgische Sibirien nicht. Dorthin, lieber Leser, will ich dich führen. Mitten in jener traurigen, fast rings von dunkelm Fichtenwald umgebenen Fläche liegen einzelne zerstreute Gebäude – Häuser von den Bewohnern genannt, in der That aber nur Hütten, so klein und so ärmlich, wie du deren schwerlich je gesehen hast. In dieses sogenannte Dorf sollst du mir folgen und dann zur allerschlechtesten Hütte. Du sollst mit mir hineingehen durch die niedrige Thür in die enge Stube; es wird dir zwar ein wenig den Athem versetzen, denn die Stube ist dumpf und voll Rauch – aber ich kann dir nicht helfen, du mußt dich mit mir an den alten wackeligen Tisch setzen, gegenüber dem Weibe, das, in garstige Lumpen gehüllt, am Ofen sitzt, vor dem Greise, dessen brauner Rücken von dem schmutzigen Reste eines groben Hemdes nur halb bedeckt ist, und den beiden zerlumpten Knaben, die ihre Kartoffeln sammt der Schale mit heißer Gier verschlingen. Die Hütte ist ein gebirgisches »Gemeindehaus« (Armenhaus), und die Elenden, die ich dir