Erzählungen eines Wattenschiffers
Die flachen Küsten Schleswigs sind im Westen von einer bedeutenden Anzahl Inseln umgürtet, welche teils breite, teils schmale Meerströme umfluten. Zur Zeit der Ebbe tritt die Meerflut viele Meilen weit zurück vom Lande, enthüllt den Meeresboden und legt unermeßliche Strecken grauen Erdschlammes und weiß glänzender Sandfelder trocken. Diesen bei jeder Tiefebbe sich zeigenden Grund der Nordsee nennt man Watten, die Meeresströme, die ihre Wogen um die erwähnten Inseln wälzen, heißen Wattströme, und diejenigen Seefahrer, welche die schwierigen Wasserpfade innerhalb dieses Inselarchipels und zwischen denselben mit leicht gebauten, schnell segelnden Fahrzeugen durchkreuzen, Wattenschiffer. Von jeher hat es unter den kühnen, oft waghalsigen Seefahrern der nordischen Meere ausgezeichnete Menschen gegeben; denn die Natur des Meeres, auf dessen Wogen sie den größten Teil ihres Lebens zubringen, macht umsichtig, kaltblütig, stählt die physische, wie geistige Kraft, und verleiht denen, welche fast ununterbrochen mit den Elementen kämpfen müssen und zahllose Male in Todesgefahr schweben, eine Selbständigkeit, wie man sie unter den Festlandsbewohnern selten in so hohem Grade und in so ausgeprägter Schärfe findet. Die Küstenstriche des Festlandes in erwähnter Gegend sowohl wie die Inseln – mit Ausschluß des eigentlichen Nordstrandes, das seit dem Untergange des großen Insellandes gleichen