Einleitung: Von Homer und Vergil
Die drei Knaben, welche nun seit sechs Wochen mit den Sagen des griechischen Altertums unterhalten worden waren, meinten, als der Lehrer mit Hektors Tode geschlossen, es könne dem freundlichen Erzähler unmöglich an Stoff für die anderen Abende fehlen. Und seitdem sie zumal gehört, es gebe einen lateinischen Dichter, Namens Vergilius, der ein ebenso bekanntes Heldengedicht als die Iliade und Odyssee gedichtet habe, da war Vergil! Vergil! die Losung der ungestümen kleinen Dränger. Erfreut über den empfänglichen Sinn seiner Hörer, versetzte endlich der Lehrer: »Vergil oder, wie man gewöhnlich sagt, Virgil ist freilich dem Homer nicht gleich zu stellen. Es hat eben mit den Heldengedichten eine eigene Bewandtnis. In jener uralten Zeit, in welcher Homer gelebt haben soll, schrieb man weder Gedichte noch andere Bücher. Wer nicht die glückliche Gabe besaß, daß er eine ganze Erzählung im Gedächtnis bewahren oder sie frei erfinden und aus dem Stegreif zum Klange eines Saiteninstruments melodisch vortragen konnte, der durfte nicht auf den ehrenvollen Namen eines Sängers Anspruch machen.« »Einem solchen, gewiß sehr seltenen Talente verdankte Homer seinen Ruhm. In wandernden Sängern erschien die Dichtkunst zuerst unter allen Völkern der Welt. Das Volk hielt dieselben hoch; die Könige wetteiferten, sie zu belohnen. Wie die in den homerischen Gedichten geschilderten Sänger, Phemios im Hause