Erstes Buch
Im Laufe eines wohl sich anlassenden Jahres war der Palmsonntag erschienen, wie man ihn liebt: der Himmel von hellgrauen Wolken überzogen, die Luft milde, der Boden trocken. Eine Regung des Lenzes ging durch den Gau, ahnungsvoll, hoffnungsreich. Der Winter war vergangen, ihn hatte man hinter sich, und vor sich den lieblichen Frühling, den schönen Sommer. Das fühlte der Bauer in seinem Gemüt, und es ward ihm wohl an dem Tag. Aber die Freude behielt ein ruhiges, ernstes Gepräge. Der Palmsonntag hat für die protestantischen Rieser eine doppelte Bedeutung. Es ist der erste Festtag des Frühlings – der erste Tag, an welchem der Bauer die Ankündigung der schönen Jahreszeit mit besonderer Sammlung empfindet. Man holt sich das Wahrzeichen des Frühlings, den Zweig mit dem Palmkätzchen, die Kinder fühlen das größte Vergnügen, das graue Fellchen zu betrachten und zu streicheln, und die Eltern freuen sich ihrer Freude. Nun werden die andern Zweige bald folgen – das fühlt man, ohne sich's zu sagen – und die Zeit wird kommen, wo es grünen und blühen wird allenthalben. Zugleich ist der Palmsonntag der Tag, wo die Knaben und Mädchen, die das dreizehnte Jahr überschritten haben, in der Kirche von dem Geistlichen geprüft und konfirmiert werden; eine feierliche Handlung nicht nur für die Kinder und deren Eltern, sondern für die ganze Gemeinde. Man ehrt dieses Fest, indem man sich dunkel kleidet,