Die tibetanische Geliebte
Es wird gegen Abend. Die Dämmerung kommt zu uns in den Laden und macht sich's in ihrer Fledermauskapuze bequem. Fritz, der Lehrling, döst in einer Ecke und pickt Krumen auf von seinem Frühstück. Er hat Hunger und Sehnsucht auf seine Suppe. Dabei vergißt er, Gas anzustecken. Es kommen auch gerade keine Kunden. Im Halbdunkel leuchten oben in einem Regal noch die Rücken von Büchern in Leder, mit Haifischhaut, in Altgold schimmernd. Das sind unsere kostbaren Frauen. Das Gold lächelt. – Ich möchte sie alle haben, wenn ich nicht so ein simpler Verkäufer wäre! … Sie sind schöner als alle Mädchen und Frauen, die sich bei uns blähen und Rad schlagen. Und sie werden immer schöner, je älter sie werden. – Ich liebe sie alle. Sie sprechen so heimlich und haben eine süße Stimme. Von Dichtern sind sie gemacht, von Phantasten für Phantasten und Träumer – und machen Dichter und Phantasten. Es ist nicht die rohe Straße in ihnen. Die aufdringlichen Schmerzen sind abgeschliffen zur Schönheit. Sie regen das Blut auf zu einer inbrünstigen, verklärten Sehnsucht. Alle Dinge und alle Leiber waren ihnen Stoff. Aus Ländern und Zeiten und Menschen wird das Werk gepreßt wie Rosenöl. – – Da ist so eins, das spricht von der Liebe eines auserwählten Menschen in einem Rauschland. An dem sie alle starben und doch wünschten, nur noch einmal für ihn zu sterben. Sie kamen immer wieder, wurden in anderen