Chapter

Vorspruch.

Der Empfänger: Eines nach dem andern, zuerst mal die Titelseite. Also »Unglaublichkeiten« nennst du das. Erkläre mir doch genau, was verstehst du darunter? Der Verfasser: Und ich beantworte deinen Wunsch mit einer Gegenfrage. Was ist glaublich? Der Empfänger: Na, ich sollte meinen: das was ohne weiteres einleuchtet. Der Verfasser: Sehr schön, damit kommen wir der Sache schon näher; wenn wir uns nur darüber verständigen, daß mit dem ohne weiteres Einleuchtenden im Schrifttum kein Staat zu machen ist. Für Exempel, die restlos aufgehen, braucht man eigentlich keinen Autor und keinen Leser. Aber in der Welt der Dinge und Gedanken gibt es zum Glück fast nichts, das sich nicht von irgend einem Standpunkt aus bezweifeln und mit Unglauben aufnehmen ließe. Und bei Lichte betrachtet sind die interessantesten Entdeckungen im Felde des Denkens und der Schriftstellerei überhaupt dadurch zustande gekommen, daß der Zweifel gegen die vermeintliche Selbstverständlichkeit anrannte. Der Empfänger: Derartige Zweifel sollte man eben unterdrücken. Das allgemein Glaubliche hat doch etwas Ehrwürdiges ... Der Verfasser: Und dazu einen Anflug von Langeweile; wie das Einmaleins, wie eine Logarithmentafel, wie das preußische Landrecht, wie alles in sich Richtige und Gültige. Aber das nämliche Vertrauen, das du dem Einmaleins entgegenbringst, beherrscht dich auch in vielen anderen Dingen, die du als völlig

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