Ernst der Zweite
In der Mitte Europas lag einst das alte Reich und in seinem Herzen das Königreich Tillen. Dessen Grenze nach Süden bildete die Munde, eine über hundert Kilometer lange, von West nach Ost streichende Gebirgskette, die nach Norden in fruchtbare Niederungen verlief. Der breite Rücken der Windberge trennte diese von einem sandigen Teil, den das Vorkommen von Steinkohle zum Industriebezirk gemacht. Ein einziges Flußnetz durchzog das Königreich: die Till, die, in der Munde entspringend, den gewaltigen Tillensee durchströmte. An ihr lag Tillenau, die Residenz und Hauptstadt, mit rund 512000 Einwohnern. Dort waren die Sammlungen, die Hochschule, die berühmten Hoftheater. Dort die Häuser alter Zünfte, der Adels- und Bürgerfamilien, die Regierung, der Hof. Seit über siebenhundert Jahren regierten in Tillen die Osterburger, erst Herzöge, dann Kurfürsten, endlich Könige. Sie hatten dem Lande eine Reihe von tüchtigen Herrschern gegeben. Einer einzigen bösartigen Erscheinung, Sigismund dem Bedrücker, gegenüber standen rechte Väter des Vaterlandes, deren Gedächtnis, gerade bei kleinen Leuten, noch lebendig war. So Herzog Sigismund der Huldreiche, Kurfürst Sigismund der Erbauer, Sigismund Wolfsrachen, endlich jener Kurfürst Sigismund der Vierte, dem das Volk, weil er unbeweibt geblieben, statt des väterlichen Beinamens den des »Ohm« gegeben. Die Herrscher einzeln aufzuführen, gar mit