Erster Aufzug
Trauerspiel in fünf Aufzügen. 1817. Geistliche und weltliche Reichsstände. Kriegsleute. Volk. Die Handlung fällt in das Jahr 1030. Saal im Palaste zu Aachen. Auf beiden Seiten Eingänge, in der Mitte eine Flügelthür. Kaiser Kunrad tritt von der Rechten auf, seinen Sohn Heinrich an der Hand führend, beide festlich gekleidet. Kunrad. Die Sonne, die sich strahlend dort erhebt, Sie führet einen folgeschweren Tag Für mich und dich, geliebter Sohn, herauf. Geweihet sollst du werden und gekrönt Zu Aachen hier, der alten Krönungsstadt, Als deutscher König; Erbe sollst du heißen Des Thrones, der vor allen herrlich steht. So stellt sich mir die große Hoffnung fest, Daß mein Geschlecht, der sal'sche Frankenstamm, Begründet sei als Deutschlands Herrscherhaus. Noch fassest du die volle Deutung nicht; Jedoch geziemt es dir, an solchem Fest Dich würdig zu benehmen, achtsam, ernst, Denn reiche Zukunft schwebt ob deinem Haupt. Heinrich. Wohl glaub' ich, deine Rede zu verstehn. Mein Lehrer und Erzieher, Bischof Bruno, Hat mir gesagt, daß Gott uns auserwählt, Neu aufzurichten Karls des Großen Reich. Doch sieh! die Mutter wandelt dort heran; Wie schön geschmückt! Doch traurig ist ihr Gang. Die Kaiserin Gisela tritt von der Linken auf. Gisela. Mein Herr und mein Gemahl, du bist bereit, Dahinzugehn in feierlichem Zug Zum hohen Dome, zu der Krönung Fest. Da werden, wie du schreitest durch die Stadt,