Erster Teil
Es schlug acht Uhr, als Julia Altefähr vor ihrem hohen Spiegel stand und die mattgelben Handschuhe über ihre weichen, weißen Arme streifte. Sie trug ein Ballkleid von wunderbar duftiger, schimmernder Seide im zartesten Helllila, ganz einfach gemacht. Am tiefen Ausschnitt funkelten einzelne große Brillanten, und um den Hals reihten sich die strahlenden Steine zu einer schmalen Kette. Julia hatte eine wunderschöne Haut, die am Halse einen matten Perlenglanz, auf den Wangen einen zarten Pfirsichschmelz zeigte. Ihre Augen waren hellblau, mit großen schwarzen Pupillen, und standen zwischen langen, schwarzen Wimpern, unter fein und scharf und dunkel gezeichneten Brauen. Ihr Haar war goldblond, reich, locker und sehr kunstvoll frisiert und aufgesteckt. Sie sah aus wie eine Fliederblüte, in deren Frühtau die Morgensonne hineinlacht. Sie war nicht schön nach den Regeln der Kunst; ihr Gesicht war zu rund, die Nase zu kurz. Aber sie hatte etwas unbeschreiblich Fesselndes, wie alles, was leuchtet, lacht und singt. Vor der Thür des Schlafzimmers, in dem sie soeben ihre Toilette beendet hatte, ertönte ein Schritt. »Du kannst gehen, Lotte,« wandte sich Julia in nachlässigem Ton an ihre Jungfer. »Nimm Tuch und Mantel mit hinunter.« Lotte ging. Eine Sekunde später trat Julias Gatte ein. Er war gleich seiner Frau im Gesellschaftsanzug. Der Frack und die weiße Wäsche standen ihm gut. Sein