Zwei Kaiser und ein König auf dem Wasser
Abbazia und Venedig 1894. Ich war im März 1894 zum deutschen Botschafter in Wien ernannt worden, hatte jedoch noch nicht meinen Posten angetreten, als ich von dem Ministerium in Berlin den Auftrag erhielt, die Regierung bei dem Kaiser während seines Aufenthaltes in Abbazia zu vertreten, wo sich die kaiserliche Familie eine Zeitlang zur Erholung aufhalten sollte. Kaiser Wilhelm wollte mich daselbst auch dem Kaiser Franz Joseph vorstellen, der einen Besuch der Kaiserin und seines Bundesgenossen in Aussicht genommen hatte, und so begab ich mich von meinem bisherigen Posten, München, nach Abbazia, wo ich am Ostermontag, am 26. März 1894, eintraf. Tagebuchnotizen. Abbazia, 26. März 1894. Meine Villa Laura liegt hoch, und ich sehe über die darunterliegenden Gebäude auf die große weite Bucht von Abbazia und auf Fiume in der Ferne. Der Charakter der Landschaft erinnert an die Riviera, doch ist es keineswegs so warm wie dort, es weht unaufhörlich ein kalter Wind. Ich ging gegen 10 Uhr hinunter in die Kaiser-Villa, wo Hofprediger Frommel Gottesdienst hielt. Er ist mein alter Freund von Straßburg her, 1870, da ich als Leutnant und Adjutant des Gouverneurs und er als Garnisonpfarrer nach Übergabe der Stadt amtierte. Ich meldete mich bei den Majestäten und begrüßte das Gefolge. Um 10 Uhr fuhren wir im Yachtanzug auf die »Cristable« (eine englische Privatyacht, die Senden mietete). Die