Erinnerungen aus dem Jahre 1848
Ich will meine Erinnerungen aus dem Revolutionsjahr 48 niederschreiben. Da tritt denn gleich von vornherein ein bedenklicher Unstern scheinbar hindernd entgegen. Ich habe an jenen Begebenheiten durchaus keinen Anteil genommen. Nicht allein, daß ich den Vorbereitungen und dem Ausbruch fremd blieb, eine mit meiner innersten Natur verbundene Empfindung hinderte mich sogar, den einzelnen Ereignissen Schritt für Schritt zu folgen. Menschen, die sich ihr ganzes Leben mit den reinen Verhältnissen der Kunst und Wissenschaft beschäftigt haben, überfällt gegenüber der jede Möglichkeit einer Berichtigung übersteigenden Verkehrtheit leicht das Gefühl eines bis ins Innerste gehenden Ekels, und man weiß wohl, daß der Ekel die entnervendste Stimmung des menschlichen Wesens ist. Wer wird aber mit solchen Stimmungen sein Betragen rechtfertigen? Warst du mit dem vormärzlichen Zustande zufrieden? Hast du keine Aenderung gewünscht? Glaubst du, daß der Mensch nicht Hand anlegen soll, um unleidliche, nichtswürdige Verhältnisse zu verbessern? Alle diese Fragen mit ja beantwortet, muß doch bei allem Praktischen auf die Umstände Rücksicht genommen werden. Wäre der östreichische Staat ein kompakter, von ein und demselben Volksstamme bewohnter, oder wären diese Volksstämme von dem Wunsche des Zusammengehörens und Zusammenbleibens beherrscht; wäre die Richtung der Zeit eine solche gewesen, daß ein