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Erinnerungen an Wien

Glücklich ist die Zeit, die keine anderen Erinnerungen noch kennt, als die aus der Kindheit ahnungsvollen Träumen; sie ist der dämmernde Morgen, dessen milder Strahl die Augenlider des Schlafenden streift und mit freundlicher Gewalt öffnet, — sie ist der März der mit dem Hauch des lauen Südwindes den weißen Schleier verweht, unter welchem schon vorwitzig emporstrebend die blanken Kelch, der Schneeglöckchen erblühten, und der nun dem schwellenden Schoß der Erde die blauen Osterblümchen, die gelben Primeln und die duftigen Veilchen entlockt; wie aber dem Morgen der Tag, so folgen dem Lenz die Rosenzeit und der hohe Sommer, welcher die Blumen mit hellem heißem Sonnenschein versengt, um die Frucht der Rebe und was sonst der Herbst von reichen Gaben bringen soll, zu zeitigen. Wie ist das Jahr doch schon so alt, wann die Halme, sichelreif, die schweren Häupter senken, wann die Felder von Stoppeln starren, wann in den Gärten, Sonnenblumen, Dahlien und Flor ans den Beeten hoch emporragend, ihre farbenreichen duftlosen Blüten entfalten, und die bunten Astern in Knospen schießen, — wie ist der Mann doch schon so reich an welken Kränzen der Erinnerung in seines Lebens kräftigster Zeit! Wo sind sie, die Genossen seines erwachenden Frühlings, die Gesellen bei Sang, Spiel und in waglicher Lust, die Vetrauten seiner ersten Liebe? Wie über seinem Haupt, ist die Zeit über den Ihrigen

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