Der Freiheit entgegen
Ich habe einmal Siebzehnundvier gespielt und verlor entsetzlich. Das kam so: Ich saß im Schnellzug Köln-Hamburg, es war im Januar 1917. In Bremen stieg Friedrich Balz in den Zug. Ich machte ihn mit »hallo« auf mich aufmerksam. Und dann kam er. Er reichte mir seine linke Hand, das tat er immer so. Er reichte sie – drücken konnte er keine Hand, denn er hatte einen steifen Daumen, der kerzengrade stand, und das bei allen Gelegenheiten, sogar im Schlaf. Der Daumen stand immer – und das war aufdringlich. Balz hatte noch mehr solche Leiden und Angewohnheiten. Er war Bauchredner, starker Raucher, Feinschmecker und Intrigant. Aber daran dachte ich nicht, als mir Balz seine Linke reichte. Ich kannte Balz schon ein Jahr, er war 15 Jahre und ich war 15 Jahre. Wir begrüßten uns so, wie wir uns kannten. Ich ihn herzlich und kameradschaftlich, Balz mich mit langsamer, hochmütiger Gebärde – er streifte den Glacéhandschuh von seiner linken Hand und steckte seine Zigarette in den linken Mundwinkel, wodurch er ganz kleine Augen bekam. »Ferien gut verlebt?« – Das schnodderte Balz durch seinen rechten Mundwinkeh während die Zigarette im linken Mundwinkel tanzte. Es sah famos aus. Ich wurde stolz auf ihn und sah mich im Abteil um – und wirklich, Balz und ich waren in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Ich wurde ganz höflich und half Balz aus seinem schweren Winterpaletot. Er klopfte mir auf