I.
Ein Frühlingstag in Blütenschnee. So recht ein Tag, wo alles, was jung ist, ins Himmelsblau und Waldesduften hinausjauchzen möchte. Durch den großen Garten, der Herrn Haldens Villa bei Mülhausen umgibt, stürmt, so schnell sie ihre alten Füße tragen mögen, ein Weiblein in glattem, grauem Kleid. Die hellen, gutmütigen Augen unter dem anliegenden grauen Haar flattern suchend umher. »Wo nur das Kindchen wieder ist? – Marthe – Marthe! Wo bist du?« Der Kies knirscht unter ihren Schritten. Ein Buchfink müht sich auf dem Apfelbaum ab, den Nachtigallenschlag nachzuahmen. Sonst Stille. Sie biegt in den Weg zur Obstwiese ein. »Martha – – a! Mar – – tha – a!« Durch ihr gelbbleiches Gesicht geht ein Zug der Ungeduld. Wer die gute alte Babette kennt, der weiß, daß ihre Geduld am letzten ist, wenn sie statt Marthe den durch keine Zutraulichkeit verkosten Namen Martha ruft. »Mar – – tha – a! Papa will dich sofort sprechen. Wo bist du?« Ein Knistern in Baumzweigen und dann ein dumpfer Plumps im frischen Gras. Da saß ein Mädchen zu Füßen eines kalkgeweißten Apfelbaumstammes, stützte sich hinterrücks mit gespreizten Händen auf die Erde und verkniff das Gesicht einen Augenblick wie im Schmerz, lachte aber fast gleichzeitig hell auf. Babette wandte sich erschrocken um. »Aber, Martha! Was fängst du nun wieder an! Hab ich dir nicht schon oft gesagt, daß es sich für junge Mädchen nicht paßt, auf Bäume