Er läßt die Hand küssen
«So reden Sie denn in Gottes Namen», sprach die Gräfin, «ich werde Ihnen zuhören; glauben aber nicht ein Wort.» Der Graf lehnte sich behaglich zurück in seinen großen Lehnsessel: «Und warum nicht?» fragte er. Sie zuckte leise mit den Achseln: «Vermutlich erfinden Sie nicht überzeugend genug.» «Ich erfinde gar nicht, ich erinnere mich. Das Gedächtnis ist meine Muse.» «Eine einseitige, wohldienerische Muse! Sie erinnert sich nur der Dinge, die Ihnen in den Kram passen. Und doch gibt es auf Erden noch manches Interessante und Schöne außer dem – Nihilismus.» Sie hatte ihre Häkelnadel erhoben und das letzte Wort wie einen Schuß gegen ihren alten Verehrer abgefeuert. Er vernahm es ohne Zucken, strich behaglich seinen weißen Bart und sah die Gräfin beinahe dankbar aus seinen klugen Augen an. «Ich wollte Ihnen etwas von meiner Großmutter erzählen», sprach er. «Auf dem Wege hierher, mitten im Walde, ist es mir eingefallen.» Die Gräfin beugte den Kopf über ihre Arbeit und murmelte: «Wird eine Räubergeschichte sein.» «Oh, nichts weniger! So friedlich wie das Wesen, durch dessen Anblick jene Erinnerung in mir wachgerufen wurde, Mischka IV. nämlich, ein Urenkel des ersten Mischka, der meiner Großmutter Anlaß zu einer kleinen Übereilung gab, die ihr später leid getan haben soll», sagte der Graf mit etwas affektierter Nachlässigkeit und fuhr dann wieder eifrig fort: «Ein sauberer Heger, mein