Chapter

Er kommt nicht

Er kommt nicht. Erzählung von Karl August Heigel. Eines Tages erinnerte sich der reiche Gustav Flemming seiner Heimath. Es war im Juli; die Adeligen, die Banquiers und großen Industriellen, die Schauspielerinnen und Sängerinnen der Residenz waren an die Nord- und Ostsee, an den Rhein und in die Alpen gezogen. Im Casino vernahm Gustav täglich die Abreise dieses und jenes seiner Bekannten; selten noch, daß bei Tische „eine Flasche kalt gestellt“ und Abends eine Bank gelegt wurde. So ereignete es sich, daß er einmal vor Mitternacht nach Hause kam und am folgenden Morgen um acht Uhr schon zu seines Grooms Verwunderung nach dem Frühstück schellte. Und während er mit verdrießlicher Miene den Kaffee schlürfte, beunruhigte ihn der Gedanke, daß es heute, morgen und in den nächsten Wochen nicht anders sein werde; daß die „famosen“ Kerle alle fort; daß es in der Residenz langweilig sei … und da fiel ihm das bescheidene Waldkirchen in der Provinz, seine Geburtsstadt, und seine Mutter ein. Er beschloß, beide mit seiner Gegenwart zu beglücken. Während der Groom die Koffer packte, schrieb der junge Herr an seinen Freund Buttler, um ihn zum Mittagsmahle einzuladen. Um neun Uhr Abends servirte Gustav’s Diener den beiden Herren den Kaffee. Die Fenster des Gemaches gingen nach dem Thiergarten. Sie waren geöffnet und die laue Luft strich in das Gemach. Gustav hatte sich auf einen Divan

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