Manchem gefällt ein Weg wohl
Manchem gefällt ein Weg wohl, aber sein Letztes reicht zum Tode. Sprüche 16, 25. »Elsbeth, decke den Tisch und bereite das Abendessen! Es ist gleich acht Uhr, und Du weißt, wenn der Vater kommt und findet das Essen nicht fertig, so wird er sehr unwillig.« »Gleich, Mutter, gleich! Diese Stelle ist aber gerade so sehr anziehend, die muß ich erst zu Ende lesen. Der Vater wird auch wohl so präcise nicht kommen. Ich gehe aber gleich.« Die Frau, welche also ihr Töchterlein angeredet, mochte vierzig Jahre zählen. Sie saß vor ihrem Nähtische am Fenster, eine Näharbeit ruhte auf ihrem Schoße, in ihrer Hand aber hielt sie ein Buch, das sich durch sein abgegriffenes und beschmutztes Aeußere als eines jener viel begehrten und viel gelesenen, aber nichts weniger als segensreich wirkenden Leihbibliothekenbücher kennzeichnete. Ihr gegenüber, in der andern Fensternische saß Elsbeth, ihr dreizehnjähriges Töchterchen, und hatte sich in die Lectüre einer Romanzeitung vertieft. Die angedeutete »anziehende Stelle« war noch nicht zu Ende gelesen, als sich auf der Treppe feste Männerschritte vernehmen ließen. Elsbeth sprang auf und begann in großer Hast den Tisch zu decken. Sie war damit auch beinahe fertig, als sich die Stubenthür öffnete und der Vater hereintrat. »Guten Abend! können wir essen?« »Gleich, lieber Vater, ich koche nur noch die Eier.« Elsbeth verließ das Zimmer. Der Vater, eine hohe,