Erstes Kapitel
Eine dumpfe, langatmige, grausige Glocke schlug an – hoch von Sankt Lamberti herunter. Dann eine Stimme, als hätte der furchtbare Thomas von Celano seine eigene Weise gesungen: »Dies irae, dies illa Solvet saeclum in favilla, Teste David cum Sibylla.« Hierauf Stille, atemberaubende Stille. Aber sie währte nicht lange, denn aus dem Kirchspiel Über dem Wasser tönte es gleichfalls herüber, nur schwerer und unbarmherziger. Dann aufs neue das Psalmodieren: »Tuba mirum spargens sonum Per sepulchra regionum, Coget omnes ante thronum.« »Dum, ding, dong!« Auch von Sankt Ludgeri schaukelte sich der Ruf einer heulenden Glocke über die Stadt hin, die unter diesem mißfarbigen Läuten erschauerte: »Dum, ding, dong! Dum, ding, dong!« und in dieses mißfarbige Läuten hinein wiederum und zum letzten Male die Stimme, die Stimme des furchtbaren Thomas von Celano: »Mors stupebit et natura Cum resurget creatura, Judicanti responsura ...« und es war, als wenn sich die Sonne verfinsterte, die Vögel im Laubgewind irre wurden und die Äpfel, die an den Bäumen reiften, zu Sodomsäpfeln wurden und in Staub und Asche zerfielen. Ich weiß nicht, wo ich mich befinde, woher ich komme. Ich weiß nur: ich bin allein und sitze in einem geräumigen Zimmer, das nackt und kahl ist wie die Hand des Todes. Nichts heimelt mich an. Jegliches ist von einer müden Traurigkeit eingebettet. Es riecht nach Krepp und faden