Chapter

I. Die Ausnahmen

Wenn der Arzt die psychoanalytische Behandlung eines Nervosen durchfuhrt, so ist sein Interesse dabei keineswegs in erster Linie auf dessen Charakter gerichtet. Er mochte viel eher wissen, was seine Symptome bedeuten, welche Triebregungen sich hinter ihnen verbergen und durch sie befriedigen, und uber welche Stationen der geheimnisvolle Weg von jenen Triebwunschen zu diesen Symptomen gefuhrt hat. Aber die Technik, der er folgen muss, notigt den Arzt bald, seine Wissbegierde vorerst auf andere Objekte zu richten. Er bemerkt, dass seine Forschung durch Widerstande bedroht wird, die ihm der Kranke entgegensetzt, und darf diese Widerstande dem Charakter des Kranken zurechnen. Nun hat dieser Charakter den ersten Anspruch an sein Interesse. Was sich der Bemuhung des Arztes widersetzt, sind nicht immer die Charakterzuge, zu denen sich der Kranke bekennt, und die ihm von seiner Umgebung zugesprochen werden. Oft zeigen sich Eigenschaften des Kranken bis zu ungeahnten Intensitaten gesteigert, von denen er nur ein bescheidenes Mass zu besitzen schien, oder es kommen Einstellungen bei ihm zum Vorschein, die sich in anderen Beziehungen des Lebens nicht verraten hatten. Mit der Beschreibung und Zuruckfuhrung einiger von diesen uberraschenden Charakterzugen werden sich die nachstehenden Zeilen beschaftigen. Die psychoanalytische Arbeit sieht sich immer wieder vor die Aufgabe gestellt, den

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