Chapter

Vorwort

Wohl jeder von uns ist einmal neben einem Schlossvogt gestanden, der bei Kerzenlicht mit langweilig leiernder Stimme die einstige Verwendung eines düsteren, kalten, feuchten Mauerloches unter der Erde erklärte. »Und hier meine Herrschaften ist der Kerker, in dem unter anderen der Graf Kuno über zwanzig Jahre lang ohne Licht und Streu, nur bei Wasser und Brot, mit zweiundsiebzig Pfund Ketten beladen, schmachten musste. Er war an den Mauerring hier angeschmiedet, und Sie sehen noch, wo die Ketten den Stein ausgewetzt haben.« Wir entsinnen uns noch, wie dann ein Schauer über unsere Haut lief und unsere Phantasie sich bemühte, sich die höllische Wirklichkeit einer solchen Kerkerhaft vorzustellen. Das Leben der lebendig Begrabenen, der Eingekerkerten, hat von jeher die Einbildungskraft entzündet, und Bewunderung für ihre standhafte Ausdauer, gemischt mit tiefstem Mitleid und Grausen, ausgelöst. Noch innigeren Anteil aber nehmen wir, noch höher steigt unsere Bewunderung, wenn wir von kühnen, oft in endlos währender Kleinarbeit vorbereiteten Ausbrüchen aus den festesten Kerkern hören. Selbst der gemeinste Raubmörder gewinnt ja ein wenig unsere Sympathie, wenn wir in der Zeitung lesen, wie er, mit kühnem Wagemut und kalt überlegendem Scharfsinn, seinen Wächtern entronnen ist. Wir Gebildeten gestehen uns kaum ein, dass wir das Scheusal dann für einen ›Helden‹ ansehen, aber aus den

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