Erstes Kapitel
Silverton ist ein altväterisches Landstädtchen, das sich im Westen Englands an die grünen Hügel der Grafschaft Devon schmiegt, durch die sich das seichte Flüßchen mit leisem Gemurmel zwischen saftigen, von tief ins Wasser hinabnickenden Farnen umsäumten Wiesen dahinschlängelt. Die ganze Gegend gleicht einem einzigen fruchtbaren Obstgarten und ist mit frischem Grün und duftigen Blüten förmlich überschüttet. In alten Zeiten waren die Römer einmal hier durchgezogen und haben eine Straße zurückgelassen, auf der seither gar viele Menschen dahingewandert sind: schlichtes Landvolk, das mit den Hühnern zur Ruhe ging und beim ersten Hahnenschrei wieder auf den Füßen war, und keine andern Spuren zurückgelassen hat, als die alten grauen Kirchhofssteine, die im Lauf der Zeiten eingesunken und samt ihren Inschriften von Moos und Flechten überwuchert worden sind. Silverton schickt keinen eigenen Abgeordneten ins Parlament und spielt überhaupt gar keine politische Rolle. Es wird in der Grafschaft in jeder Beziehung für unbedeutend gehalten. Einstens freilich ist es der Mittelpunkt einer reichen, gedeihlichen Gemeinde gewesen; allein sein Reichtum und sein Ruhm sind längst dahin, und nur sein Stolz und seine vornehme Ausschließlichkeit sind geblieben. Die Londoner Zeitungen gelangen erst nachmittags dorthin, so daß das Städtchen immer um einen halben Tag hinter der übrigen Welt zurück ist. Es