Chapter

Eine tragische Liebschaft

Juli von Chaverny war sechs Jahre verheiratet; seit ungefähr fünf und einem halben Jahre wußte sie, daß sie ihren Ehemann unmöglich lieben, kaum achten konnte. Er war kein übler Mensch, weder Ekel noch Trottel, und doch war in seinem Wesen von beiden etwas. Ehemals, so sagte ihr die Erinnerung, war er ihr liebenswert erschienen; jetzt war er ihr zuwider. Alles an ihm stieß sie ab. Seine Art, wie er aß, wie er den Kaffee schlürfte, wie er redete, reizte sie. Sie sahen und sprachen sich lediglich bei Tisch; aber zu Diners gingen sie mehrmals in der Woche zusammen, genug, um Juliens Abneigung bestehen zu lassen. Chaverny war, wie man sagt, ein schöner Mann, ein wenig zu dick für sein Alter, mit einem frischen Gesicht, Sanguiniker; zu den ruhelosen Phantasiemenschen gehörte er nicht. Von seiner Frau glaubte er felsenfest, sie widme ihm zärtliche Freundschaft; er war weltweise genug, sich nicht geliebt zu wähnen. Ohne jene Überzeugung wäre er auch nicht unglücklich gewesen; sogar mit dem Gegenteil hätte er sich abgefunden. Er hatte mehrere Jahre bei der Kavallerie gedient; aber als ihm eine ansehnliche Erbschaft zufiel, ward er des Garnisonlebens überdrüssig. Er reichte seinen Abschied ein und heiratete. Es war eine Ehe ohne innere Gemeinschaft. Wie sie erklären? Verwandte und die Art Freunde, die gern Ehen stiften, hatten rührig alles Geschäftliche in Ordnung gebracht. Auch gehörte

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