Eine schwarze Kugel
Eine schwarze Kugel. Erzählung von A. Godin. Hört man irgendwie die Bezeichnung „Muttersöhnchen“, so entwirft sich die Phantasie sogleich das Bild eines Jünglings, der Leckerbissen zu schätzen weiß, den Schnupfen fürchtet und sich mit naiver Zuversicht als Mittelpunkt des Stückchens Welt betrachtet, auf welchem er sich gerade befindet. Es giebt aber noch eine zweite Ausgabe dieser Species, ebenso liebenswürdig, wie die erstere fragwürdig ist: Jünglinge, selbst Männer, die ein gewisser Hauch feinen Sinnes umweht wie jener Schatten von Duft, den man zuweilen mit sich fortträgt, nachdem man den Raum, wo er wirklich ausströmte, längst verlassen hat. Fast mit Bestimmtheit läßt sich behaupten, daß solche Männer von früher Jugend auf viel in Gesellschaft einer zartfühlenden und liebevollen Mutter gewesen und dann lebenslang unter diesem Einflusse sowohl ihre Eindrücke empfangen wie sich selbst äußern – namentlich in allen Dingen des Geschmacks und Gefühls. In diesem Sinne durfte Hermann Barner ein „Muttersöhnchen“ genannt werden. Ihm ward zu Theil, was selbst unter günstigen Verhältnissen nur Wenigen in vollem Maße bescheert wird: eine durchaus glückliche Knaben- und Jünglingszeit. Sein Vater, der sich in reifem Mannesalter verheirathet hatte und zur Zeit der Geburt dieses einzigen Kindes schon ein hohes Amt im Staate bekleidete, fand trotzdem immer Zeit, das Familienleben zu pflegen.