Chapter

Eine Malerarbeit

Wir saßen am Kamin, Männer und Frauen, eine behagliche Plaudergesellschaft. Der Mensch gab wie immer den besten Unterhaltungsstoff, und endlich waren wir bei einem abwesenden Bekannten angelangt, der aus Mißfallen an seiner übrigens frei gewählten Gattin sein Familienleben fast eigensinnig zu zerstören schien. Es wurde hin und wider gesprochen und Partei genommen. »Mit der ist nicht zu leben«, riefen einige, »man kann's ihm nicht verdenken!« Der bisher schweigsame Hausarzt, der sich erst seit einigen Jahren in unserem Städtchen niedergelassen, räusperte sich und nahm eine Prise. »Man muß sein Leben aus dem Holze schnitzen, das man hat«, sagte er, »und damit basta!« »Wenn's aber nichts taugt?« wurde dagegengesprochen. »Und wenn es krumm und knorrig wäre!« erwiderte er. »Doktor«, rief die jugendliche Hausfrau, »ich merke schon, dahinter steckt wieder eine Geschichte, aber die Contes moraux sind aus der Mode gekommen.« »Nun«, versetzte er, »Sie wissen, wir Ärzte liegen oft im Streite mit dieser Göttin.« »Laßt unsern Doktor erzählen«, entschied eine junge Dame. »Wenn's nur eine Geschichte ist; es kommt auf die Moral nicht an!« »Erst ein paar Scheite noch in den Kamin!« sagte der Doktor. »So! – und nun – ich weiß nicht, ob einer der verehrten Anwesenden den kleinen Maler Edde Brunken kennt?« Die meisten aus der Gesellschaft hatten wohl von ihm gehört, auch einzelne seiner Bilder

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