Eine Löwenjagd im Sinai
»Mylady, Sie müssen doch einsehen, daß es für einen Menschen wie mich geradezu unmöglich ist, ein solches Geheimnis auf sich beruhen zu lassen. Das geht wider meine Natur. Wer wie ich aus Liebhaberei Detektiv geworden ist und seit fast drei Jahren die Welt durchstreift, bald freiwillig einem dunklen Rätsel nachspürend, bald gerufen von armen Bedrängten, die anderswo keine Hilfe und keinen Rat finden, der kann eine Gelegenheit wie diese nicht versäumen, wo es sich doch hier fraglos um eine Sache handelt, durch deren Aufklärung man der Allgemeinheit einen Dienst erweist.« Harald Harst hatte diese Sätze, weit zurückgelehnt in einen Korbsessel, mit leiser Stimme gesprochen. Lady Lydia Pimberton, die junge, liebreizende Witwe und Herrin des Schlosses Medsur auf den Westabhängen des Sinai-Gebirges, spielte nervös mit ihrem Spitzentüchlein und sagte nun erregt: »Nein, nein, Mr. Harst, — Sie sollen nicht jenes Tal besuchen! Sie dürfen es nicht! — Ach, ich darf ja über das, was mein verstorbener Mann und ich dort erlebten, nicht sprechen. Meine Zunge bindet einen Eid. Und — wenn ich diesen Eid bräche, würde ich damit mein Todesurteil unterzeichnen.« Haralds bartloses, tief gebräuntes Gesicht wurde von dem Licht der über dem Tische hängenden großen Karbidlampe grell beleuchtet. Ich schaute ihn an, um festzustellen, welchen Eindruck diese Worte Lady Lydias auf ihn gemacht hatten. Da