Erster Teil - I. Kapitel
I. Kapitel Alfred von Reichenbach, ein Mann in der Mitte der dreißiger Jahre, saß eifrig arbeitend vor dem Schreibtische in seinem Studierzimmer, das, nach den aufgestellten Bücherschränken, Büsten und Bildern zu urteilen, auf einen Besitzer schließen ließ, der Wissenschaften und Künste liebte und über die Mittel gebot, seinen Neigungen Befriedigung zu verschaffen. Die mächtigen Bäume, welche Schloss Rosenthal umgaben, die geschlossenen Jalousien verbreiteten eine milde Dämmerung in dem Zimmer und trotz der drückenden Wärme eines Sommerabends war es hier frisch und luftig. Eine tiefe Stille herrschte in demselben, nur unterbrochen von dem leisen Geräusch, welches Alfreds Feder auf dem Papiere verursachte. Er schrieb mit wachsender Schnelle und sein Gesicht zeigte den Ausdruck freudiger Begeisterung, den das Gelingen einer Arbeit hervorruft. Da öffnete eine große, üppige Blondine die Türe und sagte: »Es ist drüben so warm in den Stuben, dass man es nicht ertragen kann, ich werde mich hierher mit meiner Arbeit setzen.« Es war Alfreds Frau. Er schreckte aus seinen Gedanken empor, sah sie zerstreut einen Augenblick an, nickte mit dem Kopfe und arbeitete emsig weiter. Caroline, so hieß Frau von Reichenbach, schob mit Geräusch einen Tisch an das Fenster, rückte einen Stuhl zurecht und zog eine Tapisseriearbeit aus ihrem Nähkorbe, wobei Schere und andere Gerätschaften klappernd zur