Chapter

Früheste Erinnerungen

Eine Kindheit Ein jedes Ding ist überwacht von einer flugbereiten Güte – wie jeder Stein und jede Blüte und jedes kleine Kind bei Nacht. Rilke Ein strahlender Tag, flirrende Lichter und Schatten; mitten im blühenden Garten mein Kinderwäglein und ich selbst darin zufrieden vor mich hinkrahlend – ringsum mich sommerlich gekleidete Frauengestalten, darunter meine liebe Mutter. Wie ich das heute noch sehe mit den Augen der Erinnerung! Und auch, was dann geschah – – ein großer schmächtiger Mensch in weißem Leinenanzuge – ich erfuhr später, das sei mein Stiefbruder gewesen – sprang unversehens unter die Gesellschaft, packte die Deichsel meines Wagens und galoppierte mit mir davon. Ich sehe noch die Erscheinung meiner Mutter, wie sie mit hochgehobenen Röcken dem Schlingel nachläuft, ich höre noch ihr Angstgeschrei und fühle die Verstörung unter den Anwesenden. Indessen rund um die großen Blumenbeete geht die rasende Fahrt, immer rundum, hin und her wird der Wagen geschleudert und ich finde das unterhaltsam und sehr vergnüglich – da mit einem Male aber kippt der Wagen und ich liege heftig hinausgeschleudert – mitten unter nickenden scharlachroten Tulpen. Freundlich und gnädig schauen sie zu mir nieder, so als wollten sie sagen: fürchte dich nicht, kleines Menschenkind, wir haben dich lieb! Und neugierig und interessiert gucke ich ihnen in die dunklen Blumenkelche und habe meinen

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