Gunnar Hede und die Ermahnung
Es war ein schöner Herbsttag Ende der dreißiger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts. Zu jener Zeit stand in Upsala ein hohes, gelbes, einstöckiges Haus merkwürdig einsam draußen vor der Stadt auf einer kleinen Wiese. Es war eigentlich ein häßliches, wenig einladendes Haus, aber es wurde verschönt durch eine Fülle von wildem Wein, der daran hinaufwuchs und auf der Sonnenseite an der gelben Mauer so hoch hinaufkletterte, daß er um die drei Fenster im oberen Stockwerk einen dichten Rahmen bildete. In einem Zimmer hinter einem dieser von Ranken umsponnenen Fenster saß ein Student und trank seinen Morgenkaffee. Er war ein hübscher, großer Mensch von feinem Aussehen. Sein lockiges Haar war von der Stirne keck zurückgestrichen und eine Locke fiel ihm immer wieder auf die Stirne herein. Er trug einen bequemen, losen Anzug, war aber doch ziemlich elegant. In seinem Zimmer war es sehr hübsch; es gab ein gutes Sofa und gepolsterte Stühle, einen großen Schreibtisch und prächtige Bücherbretter, aber fast keine Bücher. Der junge Herr war mit seinem Kaffee noch nicht fertig, als ein Student bei ihm eintrat. Dieser war von ganz anderem Schlag, ein kleiner, breitschulteriger Mensch, untersetzt und kräftig, häßlich, mit einem großen Gesicht, dünnem Haar und grober Haut. »Du, Hede,« sagte er, »ich komme, um ein ernstes Wort mit Dir zu sprechen.« »Ist Dir etwas Unangenehmes passiert?« »O nein,