Eine Handvoll Erde
Reschkes saßen in ihrer Küche. Sie hatten eben gegessen, Mittag und Abendbrot gleich zusammen, denn er kam erst gegen Sieben aus der Kartonnagenfabrik, und sie wartete mit ihrer Mahlzeit auf ihn. Nun hatte er das letzte Stückchen Hammelfleisch aus der Gemüsebrühe herausgefischt und legte die Gabel hin, während sie sich noch den Rest der Tunke, der in der Schüssel zurückgeblieben war, in ihren Löffel goß. Das bißchen Fleisch ließ sie ihm immer, denn wenn es auch nicht mehr so knapp zuging wie in früheren Jahren, als die Kinder noch klein waren, es war doch alles sehr teuer. Der Mann lehnte sich in seinen Stuhl zurück, streckte die Beine lang unter den Küchentisch und gähnte: »Ich wer' nachher mal rübergehn, 'ne Partie spielen. Nimm's nich übel, Alte,« – er sah ihre gerunzelte Stirn und lachte – »aber es is mir zu langweilig bei dir.« »Spielste Billjard?« fragte sie und sah ihn forschend an. »Weiß nich!« Er zuckte die Achseln. »Kommt drauf an, wer grade da is.« Er steckte die Hände in die Hosentaschen und kippte mit seinem Stuhl hin und her. »Hier unsre Küche kenn ich nu in- und auswendig und drin die Stube auch – man sehnt sich doch mal nach 'n bißchen was andrem. Abwechslung muß der Mensch haben, sonst geht er ein.« Er seufzte auf. »Biste denn krank?« fragte sie fast ängstlich. Man sah es ihrem Blick an, daß sie ihn noch lieb hatte, daß sie in ihm immer noch den sah, dem sie in