Chapter

Eine Geschichte vom glänzenden Elend

Ein verdrießlicher Herbstabend des Jahrs 1688 hüllte die gute Stadt Wien in naßkalte Nebelschleier. Nieselnde Schauer netzten schmerzlich kalt die Wangen der Fußgänger, der Reiter, der Kutscher, tränkten Haar und Bart, überzogen Hut und Gewand mit Thau. Vom Himmel leuchtete kein Stern, aus der Höhe flimmerte nicht einmal die geheimnisvoll einsame Ampel des Thürmers von St. Stephan; selbst die Hüte der Kutscher aus dem Bock, der Lakaien auf dem Tritt und der Reiter im Sattel schienen im Dunst zu verdämmern. Doch hätte es nichts zu sagen gehabt, wenn auch der Blick des Kutschers, das Auge des Reiters nicht über die Ohren ihrer Pferde hinaus gereicht; die Thiere folgten gewohnheitsmäßig dem Fackelschein, der ihnen durch Nacht und Nebel den Weg vorzeichnete, wie einst die Feuersäule den Kindern Israel den Pfad durch die Wüste beleuchten. Vor jeglichem Gespann lief wenigstens ein leichtfüßiger langathmiger Bursche mit qualmendem Windlicht flink einher. Dem Reiter trat nicht minder ein Fackelträger voran, sogar einzelnen Fußgängern, den Laternen zu Spott und Hohn, die von Strecke zu Strecke — Wandleuchter, auf Eisenarmen — als lichte Punkte flimmerten. Die Oellampchen in den Glasgehäusen, deren matten Schein in jener ursprünglichen Zeit noch nicht einmal das spiegelnde Weißblech verstärkte, gaben kaum mehr Licht, als etwa eine ewige Lampe in der Kapelle spendet, besonders wenn die

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