Vorrede
Vorrede. Schon in mehreren Zeitungen ward ich Touristin genannt; dieser Name gebührt mir indessen, seiner gewöhnlichen Bedeutung nach, leider nicht. Einerseits besitze ich zu wenig Witz und Laune, um unterhaltend schreiben, und andrerseits zu wenig Kentnisse, um über das Erlebte gediegene Urtheile fällen zu können. Ich vermag nur schmucklos das zu erzählen, was mir begegnet, was ich gesehen, und will ich etwas beurtheilen, so kann ich es blos von dem Standpuncte einfacher Anschauung aus. Manche glauben vielleicht, Eitelkeit sei die Veranlassung zu dieser großen Reise gewesen. Ich kann darauf nichts erwiedern, als: wer dies denkt, möge selbst eine ähnliche Reise unternehmen, um zu sehen, daß solche Beschwerden, solche Entbehrungen und Gefahren nur durch angeborne Reiselust, durch unbegränzte Mißbegierde überwunden werden können. Wie es den Maler drängt, ein Bild zu malen, den Dichter, seine Gedanken auszusprechen, so drängt es mich die Welt zu sehen. — Reisen war der Traum meiner Jugend, Erinnerung des Gesehenen ist nun das Labsal meines Alters. ________ Freundlich und gütig hat das geehrte Publicum meine ungeschmückten Reiseberichte "nach dem heiligen Lande, nach Island und Scandinavien" aufgenommen, und dies ermuthigt mich, abermals mit dem Tagebuch dieser meiner letzten und größten Reise in Oeffentlichkeit zu treten. Möchte die Erzählung meiner Erlebnisse den geehrten Lesern