Chapter

Eine Erscheinung

Ich nenne nicht die Zeit und bezeichne nicht den Ort, an welchem diese Erscheinung vor mir aufgetaucht ist. Ich war auf der Reise, hatte den ganzen Tag auf der Bahn zugebracht und war dicht an dem Ziele, an welchem wir einen Aufenthalt von mehreren Tagen zu machen beabsichtigten, als der Zug plötzlich anhielt, weil ein anderer Zug, der den unsern an dieser Stelle zu kreuzen hatte, noch nicht eingetroffen war. Aus meinem müden Hinträumen aufgeweckt, blickte ich zum Wagenfenster hinaus und sah gleichgültig nach dem Wärterhäuschen hinüber. Es unterschied sich in nichts von allen anderen, an denen wir vorübergekommen waren. Ein Paar Gartenbeete mit Gemüsen bestellt, ein paar Georginen und Stockrosen zur Rechten und zur Linken. Selbst daß neben einem Hügel, der sich wie ein Grab ansah, ein Kruzifix aufgerichtet war, hatte nichts Ungewöhnliches. Wir waren in katholischem Lande. Christusbilder und Kapellen fanden sich oftmals, wo man sie am wenigsten erwartete. Ohne daran zu denken, sah ich nach dem Wärter hinüber. Er stand, die Signalfahne regelrecht an der Schulter, fest auf seinem Posten – und wie mit einem Zauber steigt eine ferne, ferne Vergangenheit vor mir empor. Ein Name, ein Ruf drängen sich mir auf die Lippen. Aber er war ja todt! – Und dennoch! So erschreckend, so hell wie dieses Mannes Augen hätten eines Fremden Augen nicht aufgeleuchtet, als die meinen ihm begegneten.

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