Chapter

Erstes Kapitel

Es war ein unfreundlicher Herbstabend. Der Wind strich rauh und feucht über die Stoppeln, wo eine Schafheerde, weidend und von dem Hunde zusammengehalten, ihrem langen Hirten heimwärts folgte, der den Strickstrumpf schon eingesteckt und den Pelz, welchen er frühzeitig hervorgeholt, um den hagern Leib geschlagen hatte. Die Berge lagen in grauen Nebel verhüllt, welcher auch die spitzen Schieferthürme der nahen Stadt kaum noch unterscheiden ließ. Dorthin ging aber der Weg des Schäfers nicht, sondern nach einer Gruppe von stattlichen Gebäuden, welche ein umfangreiches Gehöft bildeten, das in einer Senkung, durch sanft aufsteigende Hügel gegen die Nordund Ostwinde geschützt, lag. Es war ein ehemaliges Kloster, jetzt eine landesherrliche Domäne, deren geräumiges und bequemes Wohnhaus mit den hellen Fenstern, in denen soeben die rothen Lichter der untergehenden Sonne brannten, keinem Menschen mehr die frühe Bestimmung der Stätte ahnen ließ. Nur auf der Höhe, welche das Gehöft überragte, stand noch eine viereckige graue Warte aus unverwüstlichen Quadern gefügt, der Rest der alten Burg, deren Besitzer einst das Kloster gestiftet und beschirmt hatten. Die Sonne war untergegangen; ferne Abendglocken mischten ihre feierlichen Klänge mit den leisern und unregelmäßigen des Heerdengeläuts, sonst war Alles still auf der Flur, selbst der Wind eine Zeit lang verstummt, als wolle er die Andacht

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