Die Postkutsche
Vor etwas mehr als dreißig Jahren – Warum gerade damals? Ich will meinen Lesern eine kleine Geschichte erzählen, eine wahrhafte und keine erfundene und dazu von einer Räuberbande, und Räuberbanden gab es zu jener Zeit in Deutschland noch. Ein Bekannter von mir hat ein dickes Buch über sie geschrieben, in dem auch die Bande vorkommt, von deren Hauptmann ich hier ein Stückchen erzählen will. Daß es heute keine solche Banden mehr gäbe – ich will es nicht geradezu behaupten, aber so viel ist gewiß, in der heutigen Zeit plündern andere Banden viel leichter, viel bequemer und völlig sicher die Leute aus, an Börsen und Banken; warum da noch Räuber und Mörder? – Vor etwas mehr als dreißig Jahren fuhr an einem klaren und noch warmen Octobernachmittage die tägliche Fahrpost in ein kleines Städtchen ein. Das Städtchen lag drei oder vier Meilen von einer deutschen Residenz entfernt. Der Postwagen hielt vor dem Posthause auf der Straße. Der Postillon sprang flink aus dem Sattel. Der Conducteur kam steif aus seinem Coupé hervor, trat an den Wagen, öffnete den Schlag und sprach hinein: „Wer will, kann hier aussteigen!“ Es war noch die volle Zeit der Grobheit der deutschen Postbeamten. Eisenbahnen gab es damals im deutschen Vaterland noch nicht; Schnellposten waren nur erst auf wenigen Touren eingerichtet. Besonders die Schirrmeister der Fahrposten hatten daher ein Monopol der Grobheit. „Wie