Erstes Kapitel
Sommerfrische! Der schönste, berückendste, entzückendste Begriff der Welt! Fern den heißen, engen Straßen der Großstadt mit den himmelanstrebenden Häusern; fern dem Staub, dem gräulichen, unausstehlichen, der in leichter Schicht auf dem Trottoir und dem asphaltierten Fahrdamm liegt, der von jedem Kleide aufgewirbelt wird, unter jedem Hufschlage aufquillt und hinter den rollenden Wagen in dunstigen, die Kehle schnürenden Wolken herzieht. Fern dem hastigen Jagen der Menschen, ihrem kläffenden Streiten, ihrer galligen Abgunst, ihrem Werben, Buhlen, Treten und Zertreten; fern dem Gleißen des Protzentums und der klagenden, hohläugigen Scheelsucht der Armut; fernab vom frechen Egoismus des ehrbaren Scheins und des scheinlosen Lasters! Frei! Frei seit Tagen, frei für endlos lange Wochen! Ah! Doktor Fritz Bendring schritt von der Schwiddeldei an den Plöner See, atmete behaglich die frische, würzige Morgenluft ein und blickte leuchtenden Auges um sich. Wie erquickend so ein Frühmorgen in Gottes freier Welt! Wie ein Hauch des Schöpfers das leise Rauschen in den Bäumen, wie ein Gruß aus einer anderen Welt der Frieden im Waldgrün, ein Silbermärchen der spiegelnde See – und ein Winken und Umfangen aus Walddunkel und Seetiefe, mystisch und freudig wie Poesie. Wald und See – der norddeutsche Wald mit seinem Träumen unter Eichen und Buchen, und der norddeutsche Landsee mit seinen klaren,