Das Begräbnis
Fest verschlossen ruhten die Gehöfte des einsamen Hochgebirgsdorfes. Senkrecht über ihnen, hinter den aufragenden grünen Matten und Wäldern, wuchsen die abenteuerlichen Gestalten zerklüfteter Steinkolosse in den wolkenlosen Himmel empor. Heiße Luft brütete in den verödeten Wegen des Dorfes. Nur das Niederplätschern des glitzernden Brunnenwassers in die schlammerfüllten Tröge vor den weißen Häusern mit braunen Holzgiebeln und Altanen unterbrach die schwere Stille. Der ganze Ort schien von der brennenden Sonne in den Schlaf gelullt und träumte zwischen dichten Obstbäumen und wuchernden Gebüschen. Zwei sanfte, grünbewachsene Hügel ragten daraus hervor. Der eine trug das alte Kirchlein mit der niedern Friedhofsmauer und dem hart angrenzenden Pfarrhause, der andere die neuerbaute, mit roten Ziegeln gedeckte Schule. Weiter zurück in der Hochwiese, die sich wellenförmig zu den Bergen hinaufzog, lag zwischen verstreuten, hohen Tannenbäumen das mit wildem Wein umwachsene Forsthaus in grellstem Sonnenglanz. Auch hier wie unten im langsam ansteigenden Dorfe die gleiche Ruhe und Verlassenheit, die bleierne Unbeweglichkeit der brodelnden Luft. Da – plötzlich, der langgezogene, schrille Laut einer Posaune, jäh hervorbrechend, doch gleich darauf von verschiedenen, ziellos durcheinander wirbelnden Instrumenten kreischend übertönt, bis sich allmählich durch die häßlichen Dissonanzen eine