Vorrede
Als vor vier Jahren mein Roman »Ein Verhältnis« erschien, hat die Kritik demselben vorwiegend eine freundliche Aufnahme bereitet. Diese Freundlichkeit war aber nicht von solcher Art, daß ich ihr den Erfolg meines Werkes zuschreiben müßte. Ich darf daher getrost behaupten, daß das Buch sich vorzugsweise selber seinen Weg gebahnt, daß das deutsche Publikum an demselben ein unbeeinflußtes Gefallen gefunden hat. Mittelbare und unmittelbare Wahrnehmungen haben mir in deutlicher Weise bestätigt, daß es insbesondere auch verständige Frauen gewesen sind, welche gesund genug waren, sich von dem Gemütsinhalte desselben so, wie es meine Absicht war, berühren zu lassen, ohne zimperlich vor den im Gegenstande gelegenen Offenheiten zurückzuschrecken. Ich richte mein Schaffen nicht darauf ein, meine Werke bei diesem oder jenem Familienblatte vorteilhaft unterzubringen, und ebensowenig richte ich es darauf ein, als Bannerträger irgend eines »Ismus« zu gelten oder die Welt mit einer neuen Kunst zu beglücken. Ich habe mich bemüht, von Meistern zu lernen, und von menschlichen Dingen habe ich manches erfahren, weil ich ihnen mit neugierigem Eifer nachgegangen bin, wohl wissend, daß man die Menschen erst kennen muß, ehe man sie schildert. So wie mir die Menschen in den Weg gekommen sind, verwechsle ich sie nicht mit Göttern, aber ich halte sie auch nicht für eine Sammlung von Bestien und