Ein Urteilsspruch
Auf der Bolinasebene erhob sich der Wind. Er trieb den feinen Staub die gerade Poststraße entlang, so daß sogar diese – die einzige Unterbrechung in der Einförmigkeit der Landschaft – noch weniger als sonst erkennbar war. Aber die Staubwolken boten anderweitig auch eine Abwechslung: Sie schufen Gebilde ferner Wälder und Herden, wo es weder einen Baumstamm noch irgend ein lebendes Wesen gab. Und als Susi Beasley an diesem Nachmittag im Thorweg ihres Hauses stand, welches den Namen ›zur Quelle‹ trug, und ihre blonden Wimpern mit der kleinen roten Hand beschattend, den öden Weg entlang blickte, wurden sogar ihre, an den trostlosen Anblick gewöhnten Augen ein paarmal getäuscht. »Suse!« Es war die Stimme eines Mannes, die aus dem Hause kam. Die Gerufene that, als wenn sie nichts gehört hätte. »Suse! Was giebt's denn da zu gaffen?« Ohne den Kopf zu wenden antwortete sie langsam und verdrossen: »Es war mir, als sähe ich was auf der Poststraße. Aber 's ist wieder nichts.« Die Stimmen beider hatten etwas von der Trübseligkeit und Langweiligkeit der Umgebung. Die der Frau besaß indessen noch einen gewissen Wohllaut, während die des Mannes wie eingerostet klang. Derselbe Unterschied zeigte sich in ihrer äußeren Erscheinung. Ira Beasley war ein eckiger, plumper phlegmatischer und zudem durch Krankheit, eigene Unvorsichtigkeit und seltenes Ungeschick verunstalteter Mensch. Rheumatismus