Ein Stierkampf in Madrid
Am Montag im Monat Juni des Jahres 184., dia de tores, wie man in Spanien sagt, ging ein junger Mann von vortheilhaftem Aeußern, allem Anschein nach aber sehr übler Laune, auf ein Haus der San-Bernardostraße in der sehr edlen und sehr heldenmüthigen Stadt Madrid zu. Aus einem Fenster dieses Hauses ertönte Klaviergeklimper, welches auf sehr sichtliche Weise die Mißstimmung steigerte, die sich in den Zügen des jungen Mannes zeigte. Er blieb vor der Thür stehen, als zögerte er, einzutreten. Indeß faßte er einen heftigen Entschluß, überwand seinen Widerwillen, hob den Hammer und auf das Tönen desselben antwortete im Innern auf der Treppe der kleine, schwerfällige und unbeholfene, aber eilige Schritt des Gallego, welcher kam, ihm zu öffnen. Man hätte glauben können, daß ein unangenehmes Geschäft, ein abzuschließendes wucherisches Anleihen, eine zu bezahlende Schuld, eine zu erwartende Strafpredigt von einem alten mürrischen Verwandten, diese Wolken auf das von Natur heitere Gesicht des Don Andreas de Salcedo führte. Dem war aber nicht so. Don Andreas de Salcedo hatte keine Schulden, brauchte Nichts zu borgen, und da seine Eltern todt waren, erwartete er keine Erbschaft, fürchtete auch keine Vorlesungen eines alten mürrischen Onkels. Obgleich dieser Umstand eben nicht zum Lobe seiner Galanterie gereichte, sollte Andreas ganz einfach der Donna Feliciana Vasquez de los Rios seinen