Ein Stern auf Papier - 1. Kapitel: Ein Dieb am Abend
Der Titel mag merkwürdig klingen. Zugegeben. Wenn er lautete »aus Papier« könnte man sich leichter darunter etwas vorstellen. Und doch handelt es sich hier tatsächlich um einen Stern auf Papier, und zwar auf einem Briefumschlag von graublauer Farbe, der mit dreißig Zacken versehen war. Ich komme auf diesen Stern und diese Briefumschläge noch näher zu sprechen. — Die Geschichte begann so … Am 14. November erhielten wir beide von einem Vetter zweiten Grades meines Freundes Harst eine Einladung zum Abendessen. Ich war reichlich erstaunt darüber, denn Harald Harst hatte bis dahin mit dem Rechtsanwalt Gerhard Ginz nie intimer verkehrt, wie er ja überhaupt allen gesellschaftlichen Verpflichtungen stets auszuweichen versteht. Die Einladungen — für jeden von uns eine der schicken Büttenpapierkarten — waren mit der Abendpost eingetroffen. Harst las die seine, legte sie weg und meinte: »Das gibt eine interessante Bekanntschaft.« »So?! — Woher weißt du das?« erlaubte ich mir zu fragen. »Durch Ginz. Er rief mich gestern an.« »Mithin wird sich unter den Gästen eine fragwürdige Persönlichkeit befinden, der wir so ein wenig auf den Zahn fühlen sollen.« »Nein, mein Alter …« »Nein?!« »Nein — nicht »ein wenig«, sondern sogar »sehr kräftig«. Miß Olivia Drake hat meines Vetters Verdacht erregt. Übermorgen werden wir diese Pensionsfreundin seiner Frau kennen lernen. Ich werde sie zu Tisch führen,