Im Gewitter
Die Sonne neigte sich dem Untergange zu, der kurze Herbsttag ging zu Ende, Aber es war kein Herbsttag gewesen, wie sie sonst der September bringt, voll sonnigen Glanzes, doch auch voll köstlich erfrischender Luft; man hätte sich im Juli wähnen können, eine solch' drückende Schwüle herrschte. Im Westen stand eine düstere Wolkenwand, welcher die Sonne entgegensank, glühende Pfeile versendend, wie bestrebt, die kurze Zeit ihrer Herrschaft noch recht auszunützen. Und als hätten diese glühenden Pfeile gezündet, so strahlten in feurigem Glanze die Turmkreuze der Stadt Braunschweig und auch wohl hie und da ein Fenster in den Türmen, welche in gleichmäßigen Abständen die Stadtmauer krönten. Am östlichen Horizont aber erschienen in wunderbarer Klarheit die Hügelketten des Elme-Waldes in sanften Wellenlinien, so nahe dem Auge gerückt, daß man glauben mochte, in einer halben Stunde sie zu erreichen. Zwischen den Stoppelfeldern schritt langsam der Stadt zu ein jugendliches Paar, er im enganliegenden hellblauen Scheckenrock, am lose über die Lenden herabhängenden Gürtel den kurzen Dolch, auf der Schulter die Armbrust – sie im braunroten, den Oberkörper nicht minder eng umschließenden Gewande, einen leichten Mantel mit roter Gugel über den Arm tragend. Sie hielt den Kopf etwas vornübergeneigt, während er eifrig auf sie hineinsprach, um ihren Mund lag ein stilles Lächeln, und als sie ihn